Digitale Teilhabe für geflüchtete (Berufs-) Schüler:innen

Der UFU verleiht Notebooks an geflüchtete (Berufs-) Schüler:innen und vermittelt auch die Einrichtung der Geräte sowie die Übergabe durch kompetente IT-Pat:innen. Anfragen können hier gestellt werden.

Hintergrund: Seit Ausbruch der Corona-Krise sind die Geflüchteten in Gemeinschaftsunterkünften in Hannover fast völlig von der digitalen Teilhabe abgeschnitten und damit besonders benachteiligt, weil der Internetzugang via WLAN in vielen Gemeinschaftsunterkünften nicht möglich ist, weil geeignete mobile Endgeräte fehlen (Stichwort Homeschooling), weil keine ausreichende IT- und Medienkompetenz bei Geflüchteten vorhanden ist und weil Hilfs- und Unterstützungsangebote von Ehrenamtlichen (z.B. in Sprach- und Willkommens-Cafes) schon seit Monaten wegen der Kontaktverbote ausfallen müssen. Teilweise war Besuch in den Unterkünften komplett verboten. Seit Monaten darf nur eine Person pro Tag pro Bewohner:in zu Besuch kommen.

Seit Anfang 2019 ist die Digitalisierung ein zentrales Fokusthema unseres Vereins, Corona bedingt haben wird die Anstrengungen bereits im April 2020 deutlich verstärkt. Ziel ist die Befähigung der Geflüchteten zur Teilhabe an digitalen Angeboten – als ein Ausgleich der strukturell bedingten Benachteiligung. Vor allem die (Berufs-) Schüler:innen stehen hierbei im Mittelpunkt. Nach einer Befragung des UFU im Frühjahr 2020 leben rund 730 Kinder und Jugendliche In den Gemeinschaftsunterkünften der Landeshauptstadt Hannover. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, die digitale Versorgung und Kompetenz zu fördern. Hierfür haben wir folgende Projekte bereits erfolgreich gestartet:

1. Notebooks für geflüchtete (Berufs-)Schüler:innen

Der UFU hat seit Mitte Mai 2020 200 Notebooks angeschafft. Denn während des eingeschränkten Schulbetriebs aufgrund der Corona-Pandemie wurde deutlich wie dringend ein Notebook und funktionierendes Internet sowie Medienkompetenz für das Homeschooling von Kindern und Jugendlichen (auch Berufsschüler*innen) sind. Die Schulen in Hannover sahen und sehen sich nur eingeschränkt in der Lage digitale Endgeräte an Schüler*innen zu verleihen und entsprechende Kenntnisse an alle zu vermitteln. Viele, vor allem bildungsfernere Familien stehen in dieser Situation häufig vor unlösbaren Problemen. Für geflüchtete Kinder ist es häufig nochmal schwieriger: Da die Gemeinschaftsunterkünfte häufig kein funktionierendes WLAN haben und beengte Wohnverhältnisse, teilweise Sprachbarrieren, das Mitkommen im Unterricht zusätzlich erschweren.

Bei der Übergabe der UFU-Notebooks wurde ein nachhaltiges Konzept zur an die Geflüchteten gemeinsam mit dem Verein IKJA e.V. und dem Nachbarschaftskreis Mitte e.V. entwickelt. Es konnten dank der Bürgerstiftung Hannover günstige Rechner und notwendige Softwarepakete besorgt werden. Beim Umgang mit den Rechnern helfen z. Zt. 27 Digitalpat*innen, die die Notebooks einrichten und die Kinder und Jugendlichen schulen. Unter den IT-Expert*innen sind knapp ein Drittel selbst Geflüchtete: Hier werkeln u.a. eine Software-Entwicklerin aus Indien mit Kommunikationstechnikern aus Afghanistan, kurdischen PC-Spezialisten sowie engagierten ehrenamtlichen Helfer*innen Hand in Hand. Sie stehen den geflüchteten Schüler*innen auch muttersprachlich bei Bedarf zur Seite.

Bei diesem Projekt zahlt sich das schon seit 2013 kontinuierlich aufgebaute gute Netzwerk des UFU aus. Zusammen mit Geflüchteten, den Nachbarschaftskreisen und befreundeten Organisationen konnte im Handumdrehen ein Roll-out Team zusammengestellt werden. Das alles funktioniert digital und virtuell in der Cloud, mit zentraler Software-Bereitstellung, Workflows und Videoanweisungen für einzelne Arbeitsschritte sowie regelmäßigen Teammeetings per Videokonferenz, ohne dass sich die Akteure hierbei vorher alle gekannt oder jemals im wirklichen Leben alle zusammen getroffen hätten.

2. WLAN in Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete

Das Thema WLAN/Internet ist in vielen Unterkünften ein Problem. In den Gemeinschaftsräumen ist WLAN nur sehr schwach oder gar nicht zu empfangen, Internetzugang in den Wohnbereichen ist meist nicht möglich, obwohl die Landeshauptstadt Hannover seit Ende 2015 die Mehrzahl der 42 Flüchtlingsunterkünfte mit 50 Mbit/s VDSL-Anschlüssen versorgt hat. Ende Oktober 2020 konnten wir endlich mit der Verwaltung der Landeshauptstadt einen Vertrag abschließen, der es uns zusammen mit FNorden e.V. gestattet in den Flüchtlingsunterkünften ein frei zugängliches WLAN einzurichten, das den Internetzugang bis in die Wohnbereiche hinein ermöglicht. Der Aufwand hierfür beträgt pro rund  20 Ehrenamtsstunden für Installation, Betrieb und Wartung.

3. Ausbau der IT- und Medienkompetenz bei Geflüchteten

Zusammen mit KARGAH e.V. in Hannover als Bildungsträger haben wir ein Projekt „Deutsch lernen – Digitale Kompetenzen trainieren“ entwickelt. Diese besonderen Sprach-Kurse sollen im Frühjahr 2021 starten.