D33 – NK Linden-Süd und -Mitte

Im August 2013 wurde bekannt, dass in einem ehemaligen Gästehaus in der Deisterstraße eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet werden soll. Aus Sorge um  eventuelle fremdenfeindliche Reaktionen entstand sehr zügig der Gedanke, dem zuvorkommen und den zu erwartenden Flüchtlingen von Anfang an einen Unterstützerkreis beiseite stellen zu wollen. So bildeten der Integrationsbeirat Linden-Limmer, das Stadtteilforum Linden-Süd, der Bezirksbürgermeister und viele Nachbarn aus den Stadtteilen schon vor dem Einzug die „Flüchtlingshilfe D33“. Aus den anfänglich rund 30 Interessierten wurden zu den Hochzeiten des Flüchtlingszuzugs im Jahr 2015 fast 80, darunter ein Kern von ca. 30 Aktiven. Mit den Jahren ist das Engagement, wie überall, zahlenmäßig stetig zurückgegangen. Heute trifft sich zum monatlichen „Jour Fixe“ ein relativ beständiger Kreis von knapp 10 Helfern.

Von Anfang an war das Haus meist voll belegt mit 25 Menschen aus überwiegend afrikanischen und arabischen Ländern wie Somalia, Eritrea, Ghana, Elfenbeinküste und Irak, aber auch aus Ländern wie Syrien oder Bhutan.  Kurz danach kam mit neun Männern fast die Hälfte der erwachsenen Bewohner der Einladung zu einem ersten Treffen mit einigen Mitgliedern der Flüchtlingshilfe D33 nach. Diese ersten Gespräche über Schicksale und Hoffnungen der Flüchtlinge, über die Motive der Helfer*innen, aber auch über konkrete, materielle Bedürfnisse waren erste Schritte zum Aufbauen von Vertrauen  und haben wichtige Impulse gesetzt.

Zwischenzeitlich (Ende 2014 bis 2016) kam außerdem eine zweite Unterkunft in der Fössestraße in Linden-Mitte mit  knapp 30 Bewohner*innen hinzu.

Hilfe für einen guten Start in Hannover

Vielfältige Sachspenden und finanzielle Zuwendungen des Bezirksrates, der Lindener Kirchengemeinden, aber auch von Privatleuten gingen bald ein und machten es möglich, in vielen Situationen individuell zu helfen. Besondere Errungenschaften waren die Einrichtung eines Satellitenzugangs zu heimatlichen Fernsehsendern und ein kostenloser Internetzugang.

Gute Nachbarschaft aktiv gestalten

Parallel zu der anfänglich eher materiellen Hilfe entwickelten sich über gemeinsame Aktivitäten wie Klönschnack oder Bolzplatzbesuch erste nachbarschaftliche, zwischenmenschliche Kontakte, die zum Teil bis heute Bestand haben. In vielen Fällen dauert die Begleitung auch nach dem Auszug der Geflüchteten in eine eigene Wohnung bis heute an. Freundschaften sind entstanden, man trifft sich individuell, aber auch gemeinsam. Höhepunkte sind das alljährliche Deisterstraßenfest „Lust auf Linden-Süd“ und ein gemeinsamer Ausflug, z.B.  in den Zoo oder zum Wisentgehege in Springe. Ehemalige und aktuelle Bewohner bzw. Aktive haben Gelegenheit zum Wiedersehen und zum Austausch. Eine weitere Tradition sind die mithilfe von Spendengeldern gut bestückten Weihnachtstüten zur Weihnachtsfeier, die alljährlich von der Heimleitung organisiert wird.

Obwohl sich mittlerweile ein Großteil der Begleitung von uns  Ehrenamtlichen auf die professionellen Kräfte – auf die Sozialpädagog*innen und Mitarbeiter*innen des städtischen Integrationsmanagements  – verlagert hat, besitzt unsere vertrauensvolle Zusammenarbeit noch immer einen hohen Stellenwert. So oft es möglich ist, nimmt z.B. die Heimleitung an unseren monatlichen „Jour Fixes“ teil.

Ebenso wichtig ist die Vernetzung innerhalb des Stadtbezirks. Die Einrichtungen des Stadtteilforums Linden-Süd, die Kirchengemeinden, der Integrationsbeirat und der Bezirksrat stehen von Anfang an hinter unserem Nachbarschaftskreis. Sie bilden den sozial-politischen Hintergrund im Stadtteil und sorgen neben viel persönlichem Engagement auch für die finanziellen Grundlagen unserer Arbeit.

Die Vielfalt der bisherigen und aktuellen (*) Unterstützungsleistungen zeigt diese Übersicht:

Grundleistungen / ständige Angebote

  • Satelliten TV und WLAN
  • Eigener Sprachanfangsunterricht
  • Arztliste mit Angabe der Fremdsprachenkenntnisse
  • Stadtplan mit für Flüchtlinge relevanten Einrichtungen
  • Wöchentliche Sprechstunde einer Juristin
  • Übernahme von Bildungskosten (*)
  • Persönliche Unterstützung durch  Mitglieder des Nachbarschaftskreises (Koordination über „Kompetenzliste“ der Gruppe) (*)
  • Laufgruppe von Nachbarn und Flüchtlingen
  • Kostenübernahme für z. B. Laufschuhe, Meldegebühren bei Events … (*)

Einzelfallhilfen

  • Arzt- und Ämterbegleitung (*)
  • Unterstützung der Kinder, z. B. bei der Einschulung ( auch finanziell ) (*)
  • Unterstützung der SchülerInnen ( z.Z. Grund- u. Berufsschule )
  • Hilfen bei Praktikumsplatz- und Arbeitsplatzsuche (*)
  • Vermittlung von sozialer Teilhabe ( Fußballverein, Theatergruppe )(*)
  • Übernahme der damit verbundenen Kosten ( z.B. Schuhe, Mannschaftsfahrt … ) (*)
  • Einzelunterricht zur Sprachentwicklung
  • Besuch kultureller Veranstaltungen ( Theater, Konzert, 96-Heimspiele … )
  • Hilfen beim Umzug in eigene Wohnung ( Möbelkauf, handwerkliche Hilfen … )(*)

„Events“

  • Willkommens-Fest „Begegnung der Kulturen“
  • Infoveranstaltung zum Asylrecht
  • Szenische Lesung „Lampedusa …“
  • Teilnahme der Laufgruppe beim 10-Kilometer-Lauf beim Hannover-Marathon 2014 und 2015
  • Gemeinsame Jazz-Session einiger Flüchtlinge mit einer deutschen Combo im Kulturpalast Linden
  • Teilnahme von zwei Flüchtlingen am Theaterprojekt der „jungen VHS“
  • Adventliche Feier
  • Teilnahme an städtischen Putzaktionen ( CleanUp-Deisterstraße, Hannover ist putzmunter)
  • Foto-Ausstellung  „Aus der Nähe betrachtet – Flüchtlingsalltag in Linden“
  • Eigener Standort beim Deisterstraßenfest „Lust auf Linden-Süd“ (*)
  • Jährlicher Ausflug (*)
  • Weihnachtsfeier mit Geschenken für alle Bewohner*innen (*)

Die Flüchtlingshilfe D33 trifft sich regelmäßig einmal monatlich zum „Jour Fixe“ im Laden des Stadtteilforums Linden-Süd, Deisterstr. 66.