D33 – NK Linden-Süd und -Mitte

Im August 2013 wurde bekannt, dass in einem ehemaligen Gästehaus eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet werden soll. Aus Sorge um eventuelle fremdenfeindliche Reaktionen im Vorfeld der Bundestagswahl im September entstand sehr zügig der Gedanke, dem zuvorkommen und den zu erwartenden Flüchtlingen von Anfang an einen Unterstützerkreis beiseite stellen zu wollen. So bildeten der Integrationsbeirat Linden-Limmer, das Stadtteilforum Linden-Süd, der Bezirksbürgermeister und viele Nachbarn aus dem Stadtteil und darüber hinaus schon vor dem Einzug der ersten Flüchtlinge die „Flüchtlingshilfe D33“. Aus den anfänglich rund dreißig Interessierten sind bis Anfang 2015 fast achtzig geworden, darunter ein Kern von ca. dreißig Aktiven.

Anfang November 2013 war das Haus voll belegt. Kurz danach kam fast die Hälfte der erwachsenen Bewohner der Einladung zu einem ersten Treffen mit einigen Mitgliedern der Flüchtlingshilfe D33 nach. Diese ersten Gespräche über Schicksale und Hoffnungen der Flüchtlinge, über die Motive der HelferInnen, aber auch über konkrete, materielle Bedürfnisse waren erste Schritte zum Aufbauen von Vertrauen und haben wichtige Impulse gesetzt.

Hilfe für einen guten Start in Hannover

Es schloss sich eine Spendenaktion an, in der es hauptsächlich um Winterkleidung und Hausrat ging. Nach gut drei Wochen musste sie beendet werden, weil die Spendenfreude der Lindener Nachbarn, der Einzelnen, der Hausgemeinschaften und Kirchengemeinden so überwältigend war, dass nach der Ausstattung der „eigenen“ Flüchtlinge Spenden weitergeleitet werden konnten an andere Einrichtungen. Finanzielle Zuwendungen des Bezirksrates, der Lindener Kirchengemeinden aber auch von Privatleuten gingen bald ein und machten es möglich, in vielen Situationen individuell zu helfen. Im Januar haben wir den Bewohnern der D33 per Satellit den gewünschten Zugang zu heimatlichen Fernsehsendern und per hausinternem WLAN kostenlosen Internetzugang eingerichtet.

Gute Nachbarschaft aktiv gestalten

Parallel zu der anfänglich eher materiellen Hilfe entwickelten sich auf Initiative einiger Mitglieder der Gruppe erste nachbarschaftliche, zwischenmenschliche Kontakte unterschiedlichster Art, wie Klönschnack mit Kaffeetrinken, Besuch der Stadtbücherei und Einweisung in deren Handhabung, Bolzplatzbesuch oder vorweihnachtliches Keksebacken. Und die mithilfe der Spendengelder gut bestückten Weihnachtstüten wurden von den Nachbarn kurzerhand mit je einem persönlichen Grußkärtchen und einem Geldschein ergänzt. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Sozialpädagoginnen und deren regelmäßige Teilnahme an unseren monatlichen Treffen hat einen hohen Stellenwert. Ebenso wie Vernetzung innerhalb des Stadtbezirks. Die Einrichtungen des Stadtteilforums Linden-Süd, die Kirchengemeinden, Integrationsbeirat und Bezirksrat stehen von Anfang an hinter unserem Nachbarschaftskreis. Sie bilden den sozial-politischen Hintergrund im Stadtteil und sorgen neben viel persönlichem Engagement auch für die finanziellen Grundlagen unserer Arbeit.

Die Vielfalt der Unterstützungsleistungen zeigt diese Übersicht:

  1. Grundleistungen / ständige Angebote
    • Eigener Sprachanfangsunterricht
    • Arztliste mit Angabe der Fremdsprachenkenntnisse
    • Stadtplan mit für Flüchtlinge relevanten Einrichtungen
    • Unterstützung der Mitglieder des Nachbarschaftskreises und der SozialarbeiterIn in der Unterkunft (Koordination über „Kompetenzliste“ der Gruppe)
    • Kostenübernahme für z. B. orthopädische Hilfsmittel, Laufschuhe, Meldegebühren bei Events …
    • Darlehen zur Überbrückung bei Rechtsanwaltskosten, Mahngebühren etc.
  2. Einzelfallhilfen
      • Arzt- und Ämterbegleitung Unterstützung der Kinder, z. B. bei der Einschulung (auch finanziell)
      • Unterstützung der SchülerInnen (z. Z. Grund- u. Berufsschule)
      • Hilfen bei Praktikumsplatz- und Arbeitsplatzsuche
      • Vermittlung von sozialer Teilhabe (Fußballverein, Theatergruppe)
      • Übernahme der damit verbundenen Kosten (z.B. Schuhe, Mannschaftsfahrt …)
      • Besuch kultureller Veranstaltungen ( Theater, Konzert, 96-Heimspiele … )
  3. „Events“
    • Willkommens-Fest „Begegnung der Kulturen“
    • Infoveranstaltung zum Asylrecht Szenische Lesung „Lampedusa …“
    • Teilnahme der Laufgruppe beim 10-Kilometer-Lauf beim Hannover-Marathon 2014 und 2015
    • Gemeinsame Jazz-Session einiger Flüchtlinge mit einer deutschen Combo im Kulturpalast Linden
    • Teilnahme von zwei Flüchtlingen am Theaterprojekt der „jungen VHS“
    • Adventliche Feier Weihnachtstüten für alle BewohnerInnen „unserer“ beiden Häuser Teilnahme an städtischen Putzaktionen
    • Foto-Ausstellung „Aus der Nähe betrachtet – Flüchtlingsalltag in Linden“
    • Ausflüge, z.B. in den Zoo Hannover
    • Eigener Standort beim Deisterstraßenfest „Lust auf Linden-Süd“.

Die Flüchtlingshilfe D33 trifft sich regelmäßig einmal monatlich zum „Jour Fixe“ im Laden des Stadtteilforums Linden-Süd, Deisterstr. 66.